Preisverleihung

Die Preisverleihung fand am 4. April 2014 im Theater der Stadt Marl statt.

Preisverleihung

Dokumentation

Moderation

Die Jubiläumsveranstaltung wird von Michael Steinbrecher moderiert. [ Details ]

Moderation

Dieser Mann kann so viel mehr als Fußball. So viel mehr als Sport. Natürlich, Michael Steinbrecher ist seit vielen Jahren ein markantes Gesicht des „aktuellen sportstudios“ im ZDF. Aber weit darüber hinaus ist er ein journalistisches Multitalent, das sein Können – vielfach ausgezeichnet – unter Beweis gestellt hat.
1988 stand Michael Steinbrecher schon einmal an gleicher Stelle im Theater der Stadt Marl. Er erhielt einen Grimme-Preis „Spezial“ für eine herausragende Ausgabe der ZDF-Reihe „Doppelpunkt“ zum Thema „Mein Sohn ist schwul“.
Als Moderator hat er eine ganz andere Funktion: Er will auf der berühmten Marler Fernseh-Bühne die Preisträger ins rechte Licht rücken und ins kleine Werkstattgespräch ziehen. Insgesamt wird er – und das hat er bereits bewiesen – den berühmten roten Faden ausrollen, der erkennen lässt, wie TV-Qualität eben auch mit ganz „persönlicher“ Qualität und Profi-Können verbunden ist.
Dabei kann er auch wieder seine ganz spezifischen Qualitäten als Moderator beweisen: indem er so gezielt wie unaufdringlich die Akzente setzt; indem er im Auftreten immer präsent wirkt, im Fragen klar ist und direkt eine Linie vorgibt, dabei aber auch stets den Grundgestus des Freundlichen und Zugewandten vermittelt, grundiert mit Lässigkeit und Lockerheit. Das alles ist eine Idealkombination, um auch den diesjährigen Grimme-Preisträgern das ein oder andere (Produktions-)Geheimnis zu entlocken.
Auch wenn Michael Steinbrecher eine lange Fernsehpräsenz vorzuweisen hat, waren die Vorzeichen seiner Karriere eigentlich andere. Er war Jugendfußballer bei Borussia Dortmund sowie Spieler bei Borussia Mönchengladbach und den Amateuren von Westfalia Herne. Seine Spitznamen: „Stoni“ und – sicherlich liebevoll gemeint – „Knochenbrecher“. Doch die aktive Karriere im Profifußball rückte in den Hintergrund, als er das Angebot bekam, Gastgeber der ZDF-Jugendsendung „Doppelpunkt“ zu werden. Das breite Publikum lernte ihn ab 1992 durch „das aktuelle sportstudio“ kennen. „Lockenkopf“ nannte man ihn schnell wegen seiner unverwechselbaren Haarpracht.
Steinbrecher hat sich in den vielen Jahren durch kompetente und kritische Sportberichterstattung – von Weltmeisterschaften bis zu Olympischen Spielen – sowie durch nachhaltigen Journalismus und kluge Vermittlung einen guten Namen in der TV-Landschaft gemacht. Er schafft es, ohne Eiferergestus auch brisante Themen anzupacken. Ob ein offenes Gespräch mit einem Bundesliga-Trainer über dessen Burn-out oder eine einfühlsame Sendung über Menschen, die mit dem HI-Virus leben:
Die Bandbreite in Steinbrechers Schaffen ist groß. Das zeigt sich nicht zuletzt in den zahlreichen Beiträgen für die oft als Gesellschaftssonde angesetzte ZDF-Reihe „37 Grad“.
Steinbrecher ist ein Kind des Ruhrgebiets: geboren 1965 in Dortmund, aufgewachsen in Waltrop. Und auch weiterhin ist der Pott für ihn Lebens- und nicht zuletzt auch Arbeitsmittelpunkt. 2008 promovierte er über die „TV-Programmgestaltung bei Olympia im Netz olympischer Abhängigkeiten“ an der Technischen Universität in der Stadt des amtierenden Deutschen Fußballmeisters. Dort unterrichtet er nun auch seit vier Jahren Fernseh- und Videojournalismus. Steinbrecher ist dabei unter anderem für den Lernsender nrwision verantwortlich. Hinzu kommen soziale Engagements als Pate des Kinderhospiz Bethel oder als Botschafter der Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“.
Grimme und Steinbrecher: Eine Beziehung, die also unter vielfältigen Gesichtspunkten eine produktive Perspektive vermittelt. Und die jetzt auf der Marler Bühne zeigen wird, wie das zusammengeht, um das exzellente Fernsehen zu feiern: journalistisch versiert, charmant und locker, aber auch einfühlsam, wenn es geboten ist.
Eine Torwand wird es als Requisite übrigens nicht geben – die wichtigsten Treffer haben die Preisträger ja schon alle erzielt. Mit Augenmaß, Profi-Können und Kunstfertigkeit. So freuen wir uns auf einen anregenden, unterhaltsamen und vergnüglichen Abend – mit einem Moderator ganz ohne Spitznamen: Michael Steinbrecher.

Plakat

Plakat von Lutz Jahrmarkt, Günther Uecker und Dieter Pfennigwerth [ Details ]

Plakat

Plakat von Lutz Jahrmarkt, Günther Uecker und Dieter Pfennigwerth

Lutz Jahrmarkt hat Grafik-Design an der Folkwang-Schule bei Willy Fleckhaus studiert. Zu seinen Stationen gehören unter anderem Spiegel, FAZ-Magazin, Lufthansa-Magazin, BMW-Magazin und BuchJournal sowie die Art-Direction bei Marie Claire und Rheinischer Merkur. Sein Schwerpunkt derzeit: die Zeit-Beilage „Christ & Welt“.

Günther Uecker, geboren 1930 in Wendorf, ist ein in Düsseldorf lebender und äußerst vielseitig arbeitender Künstler von Weltrang. Besonders bekannt wurde er durch die Verwendung von Nägeln als plastischem Material. Er war Mitglied der Künstlergruppe ZERO und gestaltete auch kinetische Lichtkunst. In Marl steht sein Objekt „TV“ (1963).

Dieter Pfennigwerth, geboren 1954, hat Visuelle Kommunikation an der Folkwangschule in Essen studiert. Als Grafik-Designer war er viele Jahre in verschiedenen Bereichen der WAZ-Mediengruppe (heute Funke Mediengruppe) tätig. Seit 2010 arbeitet er als freiberuflicher Grafiker und Fotograf. Pfennigwerth lebt in Essen.

Kuss der Bildschirme: das Grimme-Plakat

Text von Uwe Kammann

Am Anfang stand eine Vision. Und eine wiederholte Erfahrung. Jeder Juror beim Grimme-Preis kommt in der Regel unweigerlich an einem Objekt vorbei, das Fernsehen in der Frühzeit zeigt, damals, in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die TV-Truhen noch richtigen Möbelstücken glichen. Das Gerät, das hinter den großen Schau-Scheiben des Skulpturenmuseums Glaskasten zu sehen ist, hätte allerdings in kein Wohnzimmer Einzug halten können. Es ist nämlich vernagelt, in dynamischer Wellenbewegung, genauso wie der runde Couchtisch, der diese Fernsehkiste trägt. Spätestens beim Stichwort Nagel weiß jeder, der auch nur ab und an einen Seitenblick auf Kunst wirft, Bescheid: Das kann nur Günther Uecker gemacht haben. Jener Künstler, der in vielfältigen Variationen Nägel einsetzt: in Bildreliefs, als eigenständige Objekte, als stark verfremdende Elemente bei Gebrauchsgegenständen, vom Klavier bis eben – zum Fernseher. „TV“ heißt das Objekt in Marl, entstanden ist es 1963, also vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert. Insofern: passgenau zum Grimme-Preis-Jubiläum.

Ob es gelingen könnte, den Künstler von Weltrang zu bewegen, für den 50. Grimme-Preis das Plakat zu gestalten? Der Wunsch wurde Wirklichkeit. Denn Marl, das ist für Günther Uecker nicht irgendeine Stadt. Sondern jener Ort, mit dem ihn eine enge Beziehung verbindet, gestiftet durch den früheren Leiter des so stadtoffenen Skulpturenmuseums Glaskasten, Uwe Rüth. Eine Beziehung, die nicht erkaltet ist und an die auch der neue Museumschef, Georg Elben, anknüpfen kann. Und so gelang es tatsächlich, in zwei langen Gesprächen, Günther Uecker für den Gedanken zu erwärmen und zu gewinnen, dem Jubiläumspreis ein so ungewöhnliches wie markantes Gesicht zu geben. Schon die erste Skizze zeigte dann: Es sollte kein zweidimensionaler, flächiger Entwurf werden, sondern ein für die Bildfläche zu transformierendes Objekt, eines, das an eine Reihe von anderen Medien-Objekten anknüpft. Zwei Flachbildfernseher, mit den Schirmen einander zugewandt, getrennt und verbunden zugleich durch eine Matratze, in beiden Richtungen durchnagelt, sehr handfest, sehr wild, und dann auf den Rückwänden schwarz eingefärbt. Kräftig sieht das aus, für manche sicher eher ein martialischer Umgang mit dem Medium. Für Uecker allerdings nicht. Er assoziiert damit einen Filmkuss, der immer auch mit Schweigen verbunden ist: „Was redet man schon, wenn sich von Mund zu Mund begegnet?“

Die Transformation ins Zweidimensionale hat der Künstler dem Fotografen Dieter Pfennigwerth und dem Grafik-Designer Lutz Jahrmarkt anvertraut – im wahrsten Sinne des Wortes, mit einer Geste, die Spielraum ließ bei der professionellen Realisierung des Plakates. Jahrmarkt und Pfennigwerth wiederum liegen, was diese Transformation angeht, auf einer Linie. Beide haben an der Folkwang-Schule in Essen bei Willy Fleckhaus studiert, dem legendären Grafik-Designer und Gestalter, der für Suhrkamp die berühmte Regenbogen-Reihe erfand und der mit „twen“ das Nonplusultra einer klaren und unverwechselbaren Zeitschrift gestaltete. Ein solches Studium prägt die ästhetische Auffassung nachhaltig. Alles in allem: Wer, wie Grimme, herausragendes Fernsehen auszeichnet, muss selbst herausragende Qualität in allem bieten, was diesen Preis ausmacht, also natürlich auch: die bestmögliche Darstellung nach außen. Mit Ueckers Grimme-Objekt ist dies in außergewöhnlicher Form gelungen: ein Glücksfall, in jeder Hinsicht.

Statement

Dominik Graf (erster Grimme-Preis 1997)

„Ich hege dem Adolf-Grimme-Preis gegenüber große Dankbarkeit. Die ersten Preise für meine Arbeit habe ich dort relativ spät bekommen, aber zu einer beruflich schwierigen Zeit, in der ich tiefe Selbstzweifel hegte. Die Preise 1997 und 1998 gaben mir – ob sie von heute aus berechtigt sein mögen oder nicht – ein gewisse professionelle Sicherheit zurück. In den darauffolgenden Jahren wurde ich sehr großzügig bedacht. So war der Adolf-Grimme-Preis (ich lasse den Vornamen gerne dran, weil er den Mann ehrt, der der Namensgeber war) bis 2012 ein guter Begleiter meiner Filmografie.“

Statement